Treffen mit Frederick Bouffier (CDU) dbb jugend kritisiert Pläne zur Flexibilisierung der Arbeitszeit

Die Bundesregierung plant, den Acht-Stunden-Tag durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen – und erntet Widerspruch von der dbb jugend.

„Die Politik darf nicht in veralteten Kategorien denken, und das gilt insbesondere mit Blick auf die Arbeitszeit“, sagte Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, bei einem Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Frederick Bouffier am 9. Juni 2026 in Berlin. „Die geleistete Arbeitszeit ist nicht die entscheidende Kategorie, sondern die Effizienz. Deshalb gehen die Pläne, die tägliche Arbeitszeit zu erhöhen, an der Realität vorbei. Was wir brauchen, ist eine Debatte über mehr Effizienz, die wir durch bessere Arbeitsbedingungen, Bürokratieabbau und Digitalisierung erreichen können. Das ist der Staat den Beschäftigten schuldig.“

Die Befürworter des Vorschlags berufen sich darauf, dass mit ihm bloß EU-Recht umgesetzt würde. Tatsächlich gibt es eine europäische Richtlinie, die eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 48 Stunden als Höchstgrenze definiert. Eine tägliche Obergrenze ist nicht vorgesehen. Fandrejewski: „Das deutsche Recht setzt hier einen höheren Standard, und daran sollten wir nicht rütteln. Denn längere Arbeitszeiten sorgen nicht für mehr Output, im Gegenteil: Sie steigern die Fehlerquote und das Krankheitsrisiko. Das ist absolut nicht im Sinne der wirtschaftlichen Produktivität.“

Wo längere tägliche Arbeitszeiten erforderlich sind, beispielsweise in Krankenhäusern, greifen im Idealfall Tarifverträge. „Wenn der Gesetzgeber die Reform so umsetzt, geht das zulasten aller, für die kein Tarifvertrag gilt“, sagte Fandrejewski. „Für mich ist klar: Längere Arbeitszeiten sollten nicht eine Ermessensfrage der Arbeitgebenden sein. Tarifverträge und starke Sozialpartnerschaften mit den Gewerkschaften sind das, worauf es ankommt.“

Wochenarbeitszeit für Bundesbeamt*innen zurückführen

Aus Sicht der dbb jugend gibt es jedoch einen Bereich, in dem eine Debatte über Arbeitszeit dringend erforderlich ist: Bundesbeamt*innen arbeiten aktuell 41 Wochenstunden. „Es kann nicht sein, dass inzwischen als Dauerzustand gilt, was die Politik eigentlich als Übergangslösung verkauft hatte“, resümierte der Vorsitzende der dbb jugend. „Die Arbeitszeit gehört auf 39 Wochenstunden zurückgeführt!“

 

zurück