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Demografie-Kongress: Von Integrationszielen noch weit entfernt

Die Integration der nach Deutschland geflüchteten Menschen ist eine langfristige Aufgabe, die nur von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam gelöst werden kann. „Wir sind vom Erreichen der Integrationsziele noch weit entfernt“, konstatierte der stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Chef der komba gewerkschaft Ulrich Silberbach am 9. November 2016 auf dem 11. Demografie-Kongress Best Age des Behörden Spiegel in Berlin. Die Podiumsdiskussion ging der Frage „Angekommen, was nun? Integrationsstrategien in Bund, Ländern und Kommunen“ auf den Grund.

Zwar seien bereits große Erfolge in diesem Bereich zu verzeichnen, aber „wir haben das anfängliche Chaos gerade mal strukturiert“, stellte Silberbach fest und machte zugleich deutlich, dass vor allem die Kommunen noch mehr Unterstützung brauchen. „Die Städte und Gemeinden sind die Letzten in der Kette, sie leisten den Mammutanteil der Integrationsarbeit“, betonte der dbb Vize. Hier mache sich nun der rigide Personalabbau der vergangenen Jahrzehnte besonders sträflich bemerkbar. „Wir brauchen, damit die gesellschaftliche Integration gelingt, noch weiteren Personalaufwuchs.“ Silberbach kritisierte zudem, dass der öffentliche Dienst lange Zeit öffentlich „schlechtgeredet“ worden sei. Dies erschwere nun die dringend notwendige Gewinnung und Qualifizierung motivierter Menschen. „Und die fehlen uns an allen Ecken – in der Kinderbetreuung und den Schulen, in der Sozialen Arbeit, um nur diese Bereiche zu nennen“, so Silberbach. Der Bund habe bereits eine Menge getan, um die Herausforderung der Integration zu meistern. „Aber wir sehen die Länder in der Pflicht. Bei ihnen bleibt zu viel an den klebrigen Fingern hängen, was die Kommunen dringend bräuchten“, kritisierte der komba Bundesvorsitzende. Er warnte davor, die Diskussion „allzu theoretisch zu führen“. So sei die Unterbringung der Geflüchteten noch immer nicht ausreichend gut geregelt, vielen der betroffenen Menschen fehle eine sinnvolle Beschäftigung. „Hier müssen wir noch schneller als bisher vorankommen“, mahnte Silberbach. Er forderte auch mehr Anerkennung für die Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die bei den unterschiedlichen Integrationsaufgaben „eine tollen Job“ machten.

Bereits am Vortag hatte der Vorsitzende der dbb bundesseniorenvertertung Wolfgang Speck auf dem Demografie-Kongress altersgerechtes Wohnen als eine Herausforderung bezeichnet, der sich die Kommunen immer aktiver stellen müssen, um dem demografischen Wandel Rechnung zu tragen. Neben baulichen und infrastrukturellen Aspekten müsse dabei auch das Sicherheitsempfinden der älteren Generation stärker in den Blick rücken. „Ein grundsätzliches Problem für Senioren und ihr Sicherheitsempfinden ist die mittlerweile geringe Polizeidichte in vielen ländlichen Regionen. Wohnungseinbrüche und Trickbetrug sind zum Beispiel Delikte, denen auf dem Land immer häufiger Ältere zum Opfer fallen, sei es durch das äußerlich groß und reich wirkende Haus oder die vermeintliche Gutgläubigkeit älterer Menschen“, sagte Speck und kritisierte, dass die Polizeidichte auf dem Land über lange Zeit hinweg politisch gewollt heruntergefahren worden sei. „Das machen sich vor allem Banden zu Nutze. Sie wissen, dass die Polizei auf dem Land längere Wege hat als im Ballungsraum, und dass es bessere Fluchtwege gibt. Dazu kommt der Nachwuchsmangel bei der Polizei.“ Zusammen mit der insgesamt schwachen Infrastruktur mancher Regionen führe das mittlerweile zur Landflucht nicht nur der jüngeren, sondern auch der älteren Bewohner.

Der Demografie-Kongress des Behörden Spiegel versteht sich als „Deutschlands wichtigste Tagung zum demografischen Wandel“ und versammelt alljährlich „Vordenker, Gestalter, Praktiker und Entscheider aus Bund, Ländern und Kommunen, Verbänden und Wissenschaften“ in Berlin. Die diesjährige Tagung stand unter dem Motto „Die Zukunft liegt im Quartier“ und griff Themen wie Digitalisierung und Infrastruktur, Gesundheit und Pflege, Bildung und Arbeit sowie Zuwanderung und Integration auf.

 

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