Review

Equal Care – über Fürsorge und Gesellschaft

Warum sind Care-Berufe eigentlich Frauenarbeit? Warum werden Care-Berufe eigentlich schlechter bezahlt? Warum wird Care-Arbeit zuhause überhaupt nicht bezahlt? „Warum eigentlich?“ ist die zentrale Frage, die Almut Schnerring und Sascha Verlan in ihrem Buch „Equal Care – über Fürsorge und Gesellschaft“ stellen.

„Equal Care“ ist ein fachlicher Rundumschlag, der jede Ecke der Care-Arbeit beleuchtet. Schnerring und Verlan erklären die Ursprünge des Gender Care Gaps, und die vielen Faktoren, die ihn erhalten oder sogar verstärken. Das Buch zeigt, dass der Gender Care Gap keineswegs selbstverständlich ist oder „in der Natur des Menschen“ liegt. Stattdessen machen sie auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Denkweisen aufmerksam, denen der Gap zugrunde liegt. Das Buch legt einen Schwerpunkt darauf, wie sich die Wahrnehmung von Geschlechterrollen bereits im Kinderzimmer formt.

Die Welt der Care-Arbeit zu hinterfragen, ist die zentrale Herangehensweise des Buchs: „Equal Care“ füllt zwei ganze Kapitel ausschließlich damit, Fragen über die Aufgabenverteilung zu stellen. Wer wickelt das Baby? Wer liest dem Kind eine Geschichte vor? Wer bringt es zum Flötenunterricht? Wer räumt die Spülmaschine aus? Wer führt im Meeting Protokoll? Wer besucht Opa im Altersheim? Die Antwort der über 100 Fragen lautet in der Regel: Frauen.

Der Fragenhagel macht deutlich, wie viele Aufgaben Frauen übernehmen (müssen), gibt wichtige Impulse und regt zum Nachdenken an. Auch das Ende gibt wertvolle Hinweise, wie man dem Gender Care Gap etwas entgegensetzen kann. Wir hätten uns noch mehr solcher Augen öffnender Momente gewünscht. Das ist aber im Prinzip auch unser einziger Kritikpunkt. Das Buch brilliert durch frische Blickwinkel, neue Verknüpfungen zwischen Bekanntem und erklärt hartnäckige gesellschaftliche Mythen. Das Buch baut ein engmaschiges und breites Netz an Informationen und Hintergründen auf und bleibt trotz der enormen Komplexität des Themas bestens verständlich.

Die geeignete Zielgruppe für das Buch sind tatsächlich nicht Beschäftigte in der Care-Arbeit, sondern alle außer Care-Beschäftigten. Denn Care-Arbeit ist weit mehr als Altenpflege und Kinderbetreuung. Care-Arbeit steckt in jeder Interaktion. Sie umgibt uns wie Luft und sie ist so omnipräsent, dass wir sie oft gar nicht wahrnehmen oder darüber nachdenken. Über das scheinbar Selbstverständliche nachzudenken, ist die wichtigste Erkenntnis aus diesem Buch. Wir können es daher wärmstens empfehlen.

Wir verlosen zwei Exemplare des Buchs! Teilnahme per Mail an frauen@dbb.de mit dem Betreff "Gewinnspiel". Bitte geben Sie Ihre Adresse und Ihre dbb Mitgliedsgewerkschaft an, um an der Verlosung teilzunehmen. Einsendeschluss: 12. Januar 2024.

Zu Autorin und Autor:

Almut Schnerring und Sascha Verlan schreiben gemeinsam zum Thema Geschlechtergerechtigkeit und Rollenstereotype für verschiedene Kanäle wie Bücher, Nachrichten und Radiosendungen. Unter anderem prägten sie den Begriff „Rosa-Hellblau-Falle“. Sie organisieren den Aktionstag des Equal Care Day und initiieren die Preisverleihung des „Goldenen Zaunpfahls“, ein Negativpreis für Geschlechterstereotype in der Werbung.

 

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