Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Frauen besser vor Gewalt schützen – auch im Internet

Die künftige Bundesregierung muss alles daransetzen, geschlechtsspezifische Gewalt zu beenden. Das fordern die dbb frauen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

„Im Schatten der Pandemie, in der es immer wieder zu Ausgangsbeschränkungen kam, wurden mehr Frauen und Mädchen Opfer häuslicher Gewalt. Dabei sollten die eigenen vier Wände eigentlich ein Ort der Geborgenheit sein. Das muss uns als Gesellschaft alarmieren. Die künftige Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag deutlich formuliert, gegen sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt vorgehen zu wollen. Das ist ein wichtiger Schritt, jetzt brauchen wir die entsprechenden Gesetze“, erklärte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2021.

Allem voran müssten laut Kreutz die Finanzierung der Frauenhäuser nachhaltig gesichert und Beratungsstellen flächendeckend ausgebaut werden. Darüber hinaus treten die dbb frauen für eine bessere fachliche und materielle Unterstützung sowie Vernetzung relevanter Berufsgruppen im öffentlichen Dienst ein: „Unsere Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei, in Krankenhäusern, Gesundheits- und Jugendämtern, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen leisten alle wertvolle Beiträge im Bereich der Gewaltprävention und Opferschutz. Um aber effektiver gegen Gewalt gegen Frauen vorgehen zu können, muss Opferschutz ganzheitlich und weniger punktuell gedacht werden. Dafür müssen unsere Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst besser untereinander vernetzt werden und gezielte und kontinuierliche Aus- und Fortbildungen erhalten.“

Zunehmend Sorge bereitet Kreutz auch das Problem von Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Netz. „Digitale Gewalt kommt in vielen Formen daher – Stalking, Hasskommentare, Drohungen, die Erstellung von Fake-Profilen. Das Ausmaß ist erschreckend. Jede zweite Frau hat so etwas schon erlebt und die damit verbundenen psychologischen Effekte sind nicht zu unterschätzen. Helfen kann dagegen nur ein striktes Vorgehen der zuständigen Behörden“, mahnte Kreutz.

Zwar seien Polizei und Justiz durch das im Frühjahr 2021 in Kraft getretene Gesetzespaket gegen Hass und Hetze im Internet in ihrer Handlungsfähigkeit gestärkt worden, die Wirkung der nationalen Gesetzgebung verpuffe jedoch im internationalen Kontext. Allein auf Facebook sei laut der unabhängigen Organisation Hate Aid, die Betroffene von digitaler Gewalt berät, jeder dritte gemeldete offensichtlich illegale Kommentar nicht entfernt worden. „Wir haben es hier mit einem internationalen Problem zu tun, das nur gemeinsam mit anderen Staaten gelöst werden kann. Dazu müssen wir auf europäischer Ebene ansetzen. Mit Blick auf den Verhaltenskodex zur Bekämpfung illegaler Hassreden im Internet, den die EU-Kommission gemeinsam mit Facebook, Microsoft, Twitter und YouTube eingeführt hat, wurde deutlich, dass die Herausforderungen im Zusammenhang mit Hass im Internet umfassender angegangen werden müssen. Der aktuelle Entwurf zur EU-Richtlinie über digitale Inhalte ist hier ein guter Anfang, allerdings noch nicht weitreichend genug.“

Hintergrund

Laut einer Länder-Befragung der Welt am Sonntag hatte die Polizei 2020 gut 6 Prozent mehr Betroffene häuslicher Gewalt als im Vorjahr registriert. Demnach stieg die offizielle Zahl der Betroffenen auf 158.477. Von einer deutlich höheren Dunkelziffer sei jedoch auszugehen. Auch das bundesweite Hilfetelefon bestätigte diese Entwicklung. Dort gingen im vergangenen Jahr 15 Prozent mehr Anfragen ein als noch 2019. Laut der Kriminalstatistischen Auswertung Partnerschaftsgewalt, die am 23. November vom BMFSFJ vorgestellt wurde, nahmen die Fälle von Gewalt in bestehenden und ehemaligen Partnerschaften 2020 ebenfalls zu, im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent. Die Zahl der Gewaltopfer in Partnerschaften stieg um 4,4 Prozent von 141.792 Opfern im Jahr 2019 auf 148.031 Opfer im Jahr 2020. Überwiegend betroffen sind Frauen, die 80,5 Prozent der Opfer ausmachen.

 

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