Grenze für Migrantenanteil in Schulklassen?

Über die Frage, ob der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in einer Schulklasse begrenzt werden soll, ist am 24. April 2017 eine kontroverse öffentliche Debatte geführt worden. Der Deutsche Philologenverband (DPhV) begrüßte entsprechende Vorschläge aus dem Bundesbildungsministerium. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) bezeichnete die Überlegung hingegen „abstrus und illusorisch“.

Nach Ansicht des DPhV Chefs Heinz-Peter Meidinger gibt es drei Gründe für eine gleichmäßigere Verteilung von Kindern mit Migrationshintergrund auf Schulklassen: Erstens beobachte man derzeit eine Konzentration sehr hoher Migrantenanteile in bestimmten Regionen, Ballungsgebieten und sozialen Brennpunkten. Zweitens würden zu hohe Ausländeranteile in einzelnen Klassen die sprachliche und soziale Integration der Kinder mit Migrationshintergrund erschweren. Drittens würden, wie Studien ergeben hätten, ab einem Anteil von 40 Prozent Migrantenanteil die Leistungen aller Schülerinnen und Schüler in diesen Klassen rapide absinken. Dies führe dazu, dass deutsche Eltern solche Klassen für ihre Kinder vermeiden wollten, was zu einem „Teufelskreis“ führe.

VBE Chef Udo Beckmann kritisierte, dass eine Quotierung in letzter Konsequenz in bestimmten Regionen mit einem hohen Anteil von Familien mit Migrationshintergrund zur Auflösung von Klassen führen würde. Diese Schüler müssten dann „mit dem Bus auf die Schulen verteilt werden“. Zudem stelle sich die Frage, ob die Quotierung nur für die erste oder auch für die zweite oder dritte Generation von Menschen mit Migrationshintergrund gelten solle. Aus Sicht des VBE könne die Frage nur gelöst werden, wenn Stadtentwicklung und Wohnungspolitik die Ballung von Menschen mit Migrationshintergrund in bestimmten Stadtteilen verhindern. Zudem brauche man umfassende Integrationskonzepte von der Kita bis zur Hochschule.

 

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