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Tag des Ehrenamts

Im Ehrenamt tickt die Uhr der Gleichstellung

Etwa die Hälfte der ehrenamtlich tätigen Menschen sind Frauen. Dennoch haben sie weniger Möglichkeiten bei der Mitbestimmung. Das muss sich jetzt ändern – jede Minute zählt.

„Es ist unbestreitbar, dass Frauen in vielen Bereichen unseres Lebens immer noch unterrepräsentiert sind. Das gilt auch für das Ehrenamt“, machte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 4. Dezember 2023 deutlich. „Frauen übernehmen hier häufiger unterstützende und ausführende Aufgaben, während Männer leitende Positionen einnehmen. Frauen stoßen oft auf unsichtbare Barrieren, die es ihnen erschweren, in höhere Positionen aufzusteigen oder Führungsrollen zu übernehmen.“ Ebenso sei die Sichtbarkeit und Anerkennung bei Frauen im Ehrenamt oft geringer als die der männlichen Kollegen. „Der Tag des Ehrenamts am 5. Dezember ist eine passende Gelegenheit, um auf diese Ungleichheit aufmerksam zu machen.“

Kreutz weiter: „Denn auch im Ehrenamt tickt die Uhr der Gleichstellung - und jede Minute zählt. Wir rufen Gewerkschaften, Parteien, Vereine und Organisationen dazu auf, flexibler in Bezug auf die Herausforderungen der Gleichstellung zu werden, damit Frauen sich in jedem Lebensbereich gleichberechtigt engagieren können“, sagte Kreutz. Eine bedeutende Hürde für Frauen im ehrenamtlichen Engagement liege in der Balance zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt. „Frauen sind oft stärker als Männer in unbezahlter Sorgearbeit involviert“, erklärte Kreutz. „Das erschwert es, Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten zu finden. Organisationen sollten daher nicht nur zeitliche Flexibilität bieten, sondern auch die Strukturen und die Machtverteilung überdenken. Hybride Treffen, alternative Formen des Engagements und projektbezogene oder zeitlich begrenzte Tätigkeiten können hierzu beitragen.“

Der Beamtenbund befindet sich aktuell in den Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Auch in der gewerkschaftlichen Arbeit mache sich der niedrige Frauenanteil bemerkbar, so Kreutz: „Die Beteiligung von Frauen in Gewerkschaften immer noch geringer als die von Männern. Nehmen wir den dbb selbst als Beispiel: Der Frauenanteil im öffentlichen Dienst liegt bei 58 Prozent, der Frauenanteil bei unseren Gewerkschaftsmitgliedern liegt dagegen bei grade mal einem Drittel. Noch geringer wird der Frauenanteil, wenn wir in die Führungspositionen schauen, also auf den Vorsitz der Mitgliedsgewerkschaften und der Landesbünde.“ Das bedeute, dass Frauen sich in arbeits- oder tarifpolitische Entscheidungen nur wenig oder gar nicht einbringen können, wodurch sie es schwerer haben, ihre Arbeits- und Lebenssituation zu verbessern.

Das alles sei eine Problematik, die nicht erst seit gestern bekannt ist. „Es ist wichtig, Frauen gezielt zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten und Potenziale zu entfalten (z.B. durch Workshops oder Mentoring-Programme)“, forderte Kreutz. Ziel müsse sein, die Stärkung und Motivation von Frauen für das Ehrenamt in allen Lebensbereichen voranzubringen. „In der Welt des Ehrenamts können insbesondere Frauen Architektinnen des Wandels sein. Wenn wir ihnen gleiche Chancen für Teilnahme an ehrenamtlichen Tätigkeiten sowie den Aufstieg in Führungsrollen geben, werden wir sehen, wie sie die Brücken zu einer besseren und nachhaltigeren Gesellschaft errichten.“ Es müsse auch endlich eine rentenrechtliche Anerkennung für ehrenamtliches Engagement geben, um sicherzustellen, dass Frauen für ihre Arbeit im Ehrenamt auch im Alter abgesichert sind. Immerhin sind es besonders die Frauen, ehrenamtliche und unbezahlte Pflegetätigkeiten übernehmen. Gleichzeitig leben solche Frauen viel häufiger in Altersarmut als Männer, weil sie Zeit ihres Lebens weniger Altersvorsorge betreiben konnten. „Wir als dbb fordern daher von der Politik schon seit Jahren bessere Rahmenbedingungen. Bessere zeitliche Verhältnisse. Bessere finanzielle Ressourcen. Damit das Ehrenamt von morgen sicher ist.“

 

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