• Kirsten Lühmann

Lühmann zum Europäischen Equal Pay Day 2015

„Anders als einige Jubelmeldungen glauben machen wollen, gibt es nach wie vor keine wirkliche Chancengleichheit von Frauen und Männern. Frauen stoßen nach wie vor an vielen Stellen an die ‚gläserne Decke‘“, erklärt die Vorsitzende der CESI-Frauenrechtskommission und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Kirsten Lühmann anlässlich des Europäischen Equal Pay Days am 2. November 2015.

Er markiert den Tag im Jahr, ab dem statistisch betrachtet Frauen für ihre Arbeit kein Geld mehr erhalten, während Männer ihren Lohn bis zum 31. Dezember weiter bezahlt bekommen. Rechnerisch ergibt sich dieser Tag aus dem geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschied, der in der EU noch immer bei 16,3 Prozent liegt. Die Europäische Kommission hat gleiche Bezahlung für gleichwertige Leistung zu einer ihrer Prioritäten erklärt. Die aktuelle europäische Gleichstellungsstrategie läuft Ende 2015 aus und soll dann durch eine neue, noch nicht beschlossene ersetzt werden.

„Die Europäische Kommission zeigt in Fragen der Gleichberechtigung viel Elan und kann sich bei ihrem Einsatz der Unterstützung durch die CESI gewiss sein“, so Lühmann. Vor allem nach dem endgültigen Scheitern der Mutterschutzrichtlinie im Sommer seien nun neue, starke Signale gefragt. „Viele Mitgliedstaaten wollen die Kommission bei ihrem Einsatz ausbremsen, sie zu einem zahnlosen Tiger machen. Das wäre ein enormer Rückschritt.“ Die CESI bringe im Hinblick auf die neue EU-Gleichstellungsstrategie vor allem ihre Expertise zur modernen Arbeitswelt ein. „Als Gewerkschaften sehen wir täglich die Ungleichbehandlungen, wissen also, wo genau die Probleme für Frauen in der Arbeitswelt besonders groß sind.“

Gerade am Equal Pay Day dürften auch die Erfolge nicht vergessen werden. Zweifelsohne habe es in den vergangenen Jahren auch Fortschritte gegeben. So sei zum Beispiel der Anteil von Frauen in den Entscheidungsgremien der größten börsennotierten Unternehmen stark angestiegen und habe sich seit 2010 auf gut 20 Prozent beinahe verdoppelt. „Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen. Das ist immer noch viel zu wenig. Ohne gesetzliche Quoten wird es in den kommenden Jahren nicht gehen.“ Verbindliche Vorgaben für Führungspositionen seien zwar für sich genommen nicht die Lösung. Allerdings entstünden so nach und mach mehr positive Vorbilder für junge Frauen.“

Seit 2011 gibt es einen europäischen Equal Pay Day, in den meisten Mitgliedstaaten gibt es nationale Tage. Die Situation in den einzelnen Mitgliedstaaten unterscheidet sich dabei deutlich. Lag das Lohngefälle in Slowenien 2013 bei lediglich 5,1 Prozent, waren es im selben Jahr in Estland beinahe 30 Prozent. Deutschland liegt im hinteren Drittel. Nach aktuellen Eurostat-Daten verdienen Frauen in Deutschland immer noch 21,6 Prozent weniger als Männer. In den meisten EU-Mitgliedstaaten stagniert die Entwicklung. Eine deutliche statistische Verbesserung gab es in einigen Staaten in den ersten Jahren nach Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Der geringere Lohnunterschied war aber fast ausschließlich darauf zurückzuführen, dass viele Männer arbeitslos wurden, da männerdominierte Branchen besonders vom Stellenabbau betroffen waren. Systematische Verbesserungen für Frauen in Europa, wie zum Beispiel die Einführung einer verbindlichen Quote für Aufsichtsräte in Deutschland, gab es in den vergangenen Jahren nur selten.

 

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