• Mitgliederversammlung des Deutschen Frauenrates
    V.l.n.r: Helene Wildfeuer, Manuela Schwesig, Astrid Hollmann und Jutta Endrusch.

Modernisierung der Familienpolitik

Die dbb bundesfrauenvertretung ist Mitglied im Deutschen Frauenrat, dessen Mitgliederversammlung am 7. und 8. November 2014 in Erkner bei Berlin stattfand. An der Versammlung nahmen für die dbb bundesfrauenvertretung Helene Wildfeuer, Vorsitzende, Jutta Endrusch, stellvertretende Vorsitzende und Astrid Hollmann, Beisitzerin und stellv. Vorsitzende des Deutschen Frauenrates teil.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig forderte in ihrer Rede am 7. November vor den Mitgliedern des Deutschen Frauenrates die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen. Es dürfe nicht länger sein, dass Frauen in Deutschland immer noch 22 Prozent weniger Lohn erhalten als Männer. Ministerin Schwesig kündigte deshalb an, dass im nächsten Jahr ein Entgeltgleichheitsgesetz kommen solle, um gegen diese Ungerechtigkeit vorzugehen. Vorrausschauend stellte die Ministerin fest, dass die Entstehung des Entgeltgleichheitsgesetzes, ähnlich wie bei dem Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen, nicht ohne „Stress und Theater" erfolgen werde, dass dies aber in der politischen Landschaft dazu gehöre, wenn man dicke Bretter bohren wolle.

Fest steht, dass Frauen die gleiche Anerkennung, den gleichen Lohn und die gleiche Wertschätzung wie ihre männlichen Kollegen verdienen. Nachdem freiwillige Vereinbarungen nicht gewirkt haben, ist nun eine gesetzliche Quotenregelung, wie sie mit dem Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst verankert wird, nötig.

Bislang hat es der Gesetzesentwurf noch nicht in das Bundeskabinett zur Beratung geschafft, aber nach Auskunft der Ministerin soll das noch in diesem Jahr erfolgen.

"Keine Sorge, das Gesetz kommt", versicherte Bundesministerin Schwesig. Aus ihrer Sicht sei die Quote ein Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zum Kulturwandel in der Arbeitswelt. Für Frauen gehe es dabei um drei Dinge: Macht, Einfluss und Geld. Die Politik habe die Verpflichtung die Gleichstellung voranzubringen.

Helene Wildfeuer: „Die dbb bundesfrauenvertretung hat sich die Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen schon lange auf ihre Fahnen geschrieben. Wir haben deshalb den Entwicklungsprozess des Gesetzes intensiv mit Gesprächen mit der Ministerin und durch Stellungnahmen begleitet. Jetzt werden wir genau darauf achten, dass der Entwurf nicht in irgendeiner Schublade verschwindet, sondern zügig umgesetzt wird.“

Partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf

In ihrer Rede erläuterte die Bundesfamilienministerin ihre Absichten in Bezug auf die Modernisierung der Familienpolitik. Dabei werde die Gleichstellung durch eine partnerschaftliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert. In vielen Familien wollen beide Partner für die Sicherung des Familieneinkommens geradestehen.

Schwesig will per Gesetz dafür eintreten, dass Zeiten für Familie und Arbeit gerechter zwischen den Partnern verteilt werden können, sie bezeichnet das als Familienarbeitszeit: In der Rush Hour des Lebens zwischen 25 und 45 sollen Mütter und Väter vollzeitnah arbeiten können. Das sei auch aus volkswirtschaftlichen Gründen sinnvoll, da so insgesamt eine höhere Wochenarbeitszeit erzielt werden könne. 60 Prozent der Paare würden sich eine solche partnerschaftliche Aufteilung von Arbeits- und Familienzeit wünschen, so die Ministerin. Derzeit gelänge es aber nur 14 Prozent der jungen Familien, dass beide in vollzeitnaher Teilzeit arbeiten. Das liege daran, dass die Familien nicht auf Teile des Einkommens des Mannes verzichten können, der oftmals mehr als die Frau verdiene. Außerdem erweise sich Teilzeit derzeit in vielen Fällen insbesondere als Karrierefalle für Frauen, weil sie es in der Regel sind, die ihre Arbeitszeit drastisch reduzieren, um für die Familie da sein zu können. Das führe dazu, dass letztlich Frauen nicht nur ihre Arbeitszeit auf die Hälfte reduzierten, sondern sich auch mit minderqualifizierten Aufgaben begnügen müssten. Eine vollzeitnahe Arbeitszeit für beide Partner wäre ein Win-win-Effekt für alle Beteiligten.

Mit dem Elterngeld Plus sei der erste Schritt zur Familienarbeitszeit gemacht worden, so die Ministerin. Darüber hinaus bringe das Bundesarbeitsministerium von Andrea Nahles einen Gesetzesentwurf auf den Weg, in dem der Rückehranspruch aus der Teilzeit auf eine Vollzeitstelle festgeschrieben werden solle.

„Die dbb bundesfrauenvertretung unterstützt die Pläne für eine moderne Familienpolitik“, so Helene Wildfeuer, „Selbstverständlich wollen junge Familien partnerschaftlich an das Abenteuer „Familie und Beruf“ herangehen. Dazu brauchen sie aber die Unterstützung der Politik, sei es durch eine gute, verlässliche und bezahlbare Kinderbetreuung, die dann auch beiden eine Vollzeitnahe Teilzeit ermöglicht. Dann muss sich aber auch etwas bei dem Thema „Führungspositionen in Teilzeit“ tun, denn letztlich ist unser Ziel nicht nur die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf, sondern von Familie und Karriere!“

 

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