dbb Bildungsgewerkschaften

Qualität der Lehrkräftebildung sichern und steigern

Im Kampf gegen den Lehrkräftemangel warnen die Bildungsgewerkschaften unter dem Dach des dbb vor zu kurz gedachten Maßnahmen.

Simone Fleischmann, dbb Vize und Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, betonte am 7. Mai 2024: „Die Bildungsqualität aufzuweichen, ist keine Lösung für den Lehrkräftemangel. Stattdessen muss die Qualität in der Lehrkräftebildung für allgemeinbildende und berufsbildende Schulen gesichert und perspektivisch gesteigert werden.“ Nur so könne die Bildungsqualität langfristig gewährleistet und ein entscheidender Beitrag für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft geleistet werden. „Die Zweiphasigkeit der akademischen Ausbildung, eine angemessene Dauer des Vorbereitungsdienstes und das Zwei-Fach-Lehramtsstudium sind zentrale Qualitätspfeiler der Lehrkräftebildung. An diesen Pfeilern darf nicht gerüttelt werden.“ Eine zweiphasige Ausbildung bedeutet, dass angehende Lehrkräfte ihr Wissen und ihre Kompetenzen kumulativ an einer Universität erlangen und im Anschluss den Vorbereitungsdienst an der Schule absolvieren. In der einphasigen Ausbildung hingegen laufen Studium und Vorbereitungsdienst jeweils verkürzt parallel. Der Vorbereitungsdienst des zweiphasigen Modells soll mindestens 18, idealerweise 24 Monate dauern. „Bereits im Jahresgespräch mit der Kultusministerkonferenz haben die dbb Lehrergewerkschaften diese Punkte verdeutlicht“, hob Fleischmann hervor. „Seit Jahren warnen wir vor dem Lehrkräftemangel. Lange Zeit wurden diese Warnungen ignoriert, umso größer ist jetzt die Not. Gerade deswegen muss in der aktuellen Situation genau überlegt werden, welche Maßnahmen langfristig zielführend sind. Viele Studien zur Bildungsqualität zeugen davon, dass wir gerade jetzt bestens ausgebildete Lehrkräfte benötigen, um unseren Nachwuchs fit für die Zukunft zu machen.“

Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes und der dbb Fachkommission Schule, Bildung und Wissenschaft, erklärte: „Ein duales Lehramtsstudium im Sinne der Einphasigkeit einzuführen, würde die Ausbildungsqualität deutlich absenken. Zudem hätten die Vergütung einer qualitativ minderwertigen Ausbildung und die Aufweichung der Zugangswege besorgniserregende Folgen für die Attraktivität des grundständigen Lehramtsstudiums. Derartige Maßnahmen drohen vielmehr den Lehrkräftemangel perspektivisch zu verschärfen.“ Für Lehrkräfte, die mangelbedingt zunächst nur ein Fach unterrichten, forderte sie die nachträgliche universitäre berufsbegleitende Qualifikation für den Unterricht eines zweiten Fachs. „Darüber hinaus ist es das konstituierende Element des Unterrichts, die deutsche Sprache zu beherrschen. Deutschkenntnisse mindestens auf C-1 Niveau, besser auf C-2 Niveau, müssen daher zwingende Voraussetzung für den eigenständigen Unterricht sein, die nicht erst im Tun und parallel zum Unterrichten erworben werden soll“, so Lin-Klitzing und ergänzte: „Bei der Ergreifung von Maßnahmen müssen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen, die bereits seit langer Zeit tagtäglich großartige Arbeit leisten, stets berücksichtigt werden. Nur wenn der Arbeitsort Schule ausreichend attraktiv ist, kann dem Lehrkräftemangel langfristig begegnet werden.“

Hintergrund:

Der dbb Bundesvorstand hat das Positionspapier „Qualitativ hochwertige Lehrkräftebildung in Zeiten des Lehrkräftemangels“ verabschiedet. Darin sind zahlreiche Forderungen zur Verbesserung der Ausbildungsqualität und -attraktivität des Lehramtsstudiums sowie zur Lehrkräftegewinnung enthalten, um die Bildungsqualität langfristig sichern zu können. Zum Positionspapier auf dbb.de (PDF)

 

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