Verband Bildung und Erziehung (VBE) / Verband Deutscher Realschullehrer (VDR)

Rahmenkonzept zu Schul- und Kitaöffnungen: Es gibt weiteren Klärungsbedarf

Der VBE sieht bei den am 6. Mai 2020 beschlossenen Rahmenkonzepten zu Schul- und Kitaöffnungen weiteren Klärungsbedarf. Der VDR hatte bereits im Vorfeld der Entscheidung deutliche Mahnungen an die Politik formuliert.

Hinsichtlich des Schulöffnungskonzeptes der Kultusministerkonferenz (KMK) teilte der VBE mit: „Viele der von uns vorgebrachten Punkte haben Eingang in das Rahmenkonzept der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Schulöffnung gefunden. So wird der Gesundheitsschutz hoch priorisiert, wobei Regelungen in den einzelnen Hygienekonzepten der Länder konkretisiert werden. Dass es für die Umsetzung eine entsprechende Vorlaufzeit braucht, wurde ebenfalls herausgestellt. Auch die klare Ansage, dass Personen, die Risikogruppen angehören, weiterhin nicht in der Schule lernen oder lehren müssen, ist notwendig und begrüßenswert. Allerdings wird den Bundesländern viel Ausgestaltungsspielraum eingeräumt. Wir befürchten, dass dies dafür genutzt werden kann, Personen aus der Risikogruppe in die Schulen zu holen. Wohlwollend haben wir zur Kenntnis genommen, dass Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf im Konzept bedacht wurden – ebenso wie die Situation an Förderschulen beziehungsweise für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf.“ Der VBE sieht aber noch weiteren Klärungsbedarf, der nun in den Ländern abgearbeitet werden müsse. Zudem warnt er vor einem Überbietungswettbewerb bei Schulöffnungen, nachdem die Länder nun selbst über die Geschwindigkeit und Ausgestaltung der weiteren Lockerungsschritte entscheiden können.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), sagte: „Zunächst muss es darum gehen, die neuen Regeln an Schule einzuüben und mit den Schülerinnen und Schülern das Erlebte aufzuarbeiten. Zudem muss sich das neue Lernen mit geteilten Gruppen erst einspielen. Dabei muss unbedingt die Arbeitszeit und die Belastung der Lehrkräfte in den Blick genommen werden. Das Ziel, Klassen zu teilen, sodass Schülerinnen und Schüler wechselnd vor Ort unterrichtet werden und zuhause Aufgaben erledigen, ist aus Sicht der Einhaltung des Gesundheitsschutzes absolut richtig. Entsprechend der Situation vor Ort wird es aber in der Regel zwei oder drei Gruppen geben, die parallel zu unterrichten und zu begleiten sind. Hier fehlen noch Antworten auf die Frage, wie dies sinnvoll und ohne die Lehrkraft permanent zu überlasten gelingen kann, wobei auch gleich zu klären ist, wie Zeit für Kooperation im Kollegium organisiert werden soll. Zudem wird durch die Anforderung, ‚individuelle Konzepte‘ für die Schule zu erstellen, viel Verantwortung an die Schulleitung gegeben. Hier hatten wir eine konkrete Ansprechperson in den Kultusministerien eingefordert. Da sind die Schulbürokratien in den Bundesländern weiter gefragt.“

Hinsichtlich des Konzeptes für die Kitaöffnungen betonte Beckmann ebenfalls, dass es zu begrüßen sei, dass „Bund und Länder deutlich gemacht haben, dass die Gesundheit und der Schutz der Kinder und pädagogischen Fachkräfte an Kitas oberste Priorität bei den geplanten Lockerungen haben und risikogefährdete Personen dabei besonders berücksichtigt werden müssen.“ Die sukzessive Wiederaufnahme des Kitabetriebs sei vernünftig. Aber: „Im Ganzen ist das, was jetzt geregelt wurde, aber zu wenig. Als Ende April durch Bund und Länder ein vierstufiger Wiedereröffnungsplan empfohlen wurde, haben wir darauf hingewiesen, dass es entscheidend ist, wie dieser konkret umgesetzt werden soll und dass es bundeseinheitliche Rahmenvorgaben brauche. Jetzt wurden kaum klare Regelungen beschlossen, wertvolle Zeit ist damit verspielt worden. Die ausdifferenzierten Fahrpläne müssen nun von den Ländern und Kommunen entwickelt werden, was Eltern und Fachkräfte an Kitas zusätzliche und unnötige Ungewissheiten und Belastungen aufbürdet. Es ist zum Beispiel nach wie vor nicht klar, wie Hygieneregeln genau umgesetzt werden können und sollen, welche Vorgaben zur personellen Ausstattung an Kitas in den verschiedenen Phasen gegeben sein müssen, wie viele Kinder bei welchen räumlichen Gegebenheiten maximal betreut werden dürfen, wie Abstandsgebote, zum Beispiel in der Bring- oder Abholsituation oder im Außengelände, eingehalten werden können. Ich warne die Politik davor, die Verantwortung für die konkrete Ausgestaltung vager und nicht realisierbarer Vorgaben letztlich auf die Kitas selbst abzuwälzen.“

Der VDR Bundesvorsitzende und dbb Vize Jürgen Böhm hatte bereits im Vorfeld der Entscheidung am 6. Mai gemahnt: „Wir warnen die Entscheidungsträger in Bund und Ländern vor einem vorschnellen und unvorsichtigen Überbietungsaktionismus im Hinblick auf die Öffnung der Schulen.“ Es müssten klare Regularien gefunden werden, um einen geordneten Wiedereinstieg in den Schulalltag unter Berücksichtigung der Hygieneauflagen und Mindestabstände zu gewährleisten. „Dabei muss berücksichtigt werden, dass ein vernünftiges Maß an Präsenzunterricht in Verbindung mit der Beschulung zuhause gefunden wird und die Kolleginnen und Kollegen in dieser schwierigen Situation mit Aufgaben nicht überfordert werden.“ Manche politisch Verantwortlichen hätten sich in den vergangenen Tagen nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn es um einen geordneten Wiedereinstieg in den neuen Schulalltag geht. „Jetzt in Folge muss man überlegt und verantwortungsvoll handeln und den Schulleitungen vor Ort gewisse Gestaltungsfreiräume geben, damit sie auch regionale Gegebenheiten wie die Schülerbeförderung, Klassenteilungen und Hygienemaßnahmen weiter sinnvoll umsetzen können“, forderte Böhm.

In der jetzigen Situation zeige es sich auch, so Böhm weiter, dass in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingungen an den Schulen massiv vernachlässigt wurden. Das spiegele sich einerseits in der Ausstattung der Schulen mit digitalen Unterrichtsmitteln wider, andererseits fehlen den Lehrkräften die notwendigen pädagogischen Spiel- und Freiräume. „Das System Schule ist extrem auf Kante genäht“, machte Böhm deutlich.

 

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