Gespräch im Innenausschuss des Bundestages

Silberbach: „Die Arbeit beim Bund muss viel attraktiver werden“

Hoher Altersdurchschnitt, lange Arbeitszeiten, verfassungswidrige Besoldung: Bei der Nachwuchsgewinnung gerät die Bundesverwaltung ins Hintertreffen, warnt der dbb.

„Mehr als 30 Prozent der Beschäftigten sind über 55 Jahre alt und werden absehbar in den Ruhestand gehen. Mehr als 55 Prozent sind über 45 Jahre. Ich habe nicht den Eindruck, dass der Bundesregierung die Dramatik hinter diesen Zahlen vollumfänglich bewusst ist. Die Arbeit in der Bundesverwaltung muss viel attraktiver werden, sonst wird sie eher früher als später personell ausbluten“, sagte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach beim Arbeitsgespräch mit den Mitgliedern des Innenausschusses im Deutschen Bundestag am 21. Juni 2023.

Die Probleme seien vielfältig, erklärte der dbb Chef: „Alle Welt redet über die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf, der Trend geht klar hin zu einer kürzeren Wochenarbeitszeit. Für die Beamtinnen und Beamten des Bundes gilt dagegen immer noch die 41-Stunden-Woche. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Ganz abgesehen davon, dass die Erhöhung ursprünglich temporär sein sollte – nun aber schon über 17 Jahre gilt. Außerdem hat die Bundesregierung zwar den Tarifabschluss aus dem April auf Besoldung und Versorgung übertragen – was wir ausdrücklich begrüßen – , aber immer noch keinen Gesetzentwurf für die Lösung der grundsätzlichen Probleme bei der amtsangemessenen Alimentation vorgelegt. Es ist offen gesagt ein Armutszeugnis, dass die Bezahlung weiterhin nicht den verfassungsrechtlichen Vorgaben entspricht. Werbung in eigener Sache ist das alles nicht, wenn man junge Menschen für die Arbeit in der Bundesverwaltung gewinnen will.“

Silberbach mahnte außerdem, das Thema „Gewalt gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes“ ßnicht aus den Augen zu verlieren. „Jeder vierte Beschäftigte im öffentlichen Dienst hat bei seiner Tätigkeit bereits Gewalt am Arbeitsplatz erfahren, wie eine vom Bundesinnenministerium selbst in Auftrag gegebene Studie im vergangenen Jahr gezeigt. Diese hohe Zahl war selbst für viele Fachleute erschütternd. Doch die Erkenntnis nutzt wenig, wenn darauf keine Taten folgen. Wir wollen deshalb mit Bund, Länder und Kommunen die Gewaltprävention und den Schutz aller Mitarbeitenden konsequent weiterentwickeln.“

 

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