Review

Um-Care – wie Sorgearbeit die Wirtschaft revolutioniert

Corona war für viele ein Weckruf, wie schlecht es um die bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit steht – ein Malus, der überproportional Frauen betrifft. Warum ist das so? Warum werden Care-Berufe allgemein schlechter bezahlt? Warum ist es so schwer, etwas daran zu ändern? Und wie können wir tatsächlich etwas bewegen?

Diese und weitere Fragen versucht das Buch „Um-Care: Wie Sorgearbeit die Wirtschaft revolutioniert“ von Ina Praetorius und Uta Meier-Gräwe zu beantworten. Zentral geht es um die These, dass eine bessere Bezahlung von Care-Berufen und die Bezahlung bisher unbezahlter Care-Arbeit der Wirtschaft guttut – und enorme gesellschaftliche Vorteile mit sich bringt. Die Autorinnen hinterfragen grundlegend, was Wirtschaft eigentlich ist und wem sie nutzt. Sie stellen ihr den Begriff der Oikonomia entgegen – die altgriechische Wurzel der Ökonomie, die in ihrer ursprünglichen Form „Die Lehre des Haushaltens“ bedeutet. Denn genau darum geht es den Autorinnen: Um einen Haushalt, in dem alle das bekommen, was sie zum Leben brauchen. Sie wehren sich gegen die Vorstellung, dass ein Wirtschaftszweig nur dann relevant ist, wenn er viel Gewinn abwirft. Stattdessen sollte der gesellschaftliche Mehrwert im Vordergrund stehen – im Gegensatz zu den oft hochprofitablen „Bullshit-Jobs“, die der Gesellschaft jedoch kaum etwas bringen.

Jedes der 61 Kapitel behandelt einen Aspekt der vielseitigen Herausforderungen, mit denen die Care-Branche konfrontiert ist. Die Autorinnen entkräften gängige Argumente und Sichtweisen, mit denen die Care-Arbeit kleingehalten wird. Sie beleuchten verschiedene historische und aktuelle Phänomene der Care-Krise und schlagen verschiedene Lösungsansätze für das gesamtgesellschaftliche Problem vor. Sie verknüpfen das Weltgeschehen mit persönlichen Erlebnissen, Begegnungen und Konfrontationen, was das Buch sehr nahbar macht. Die Kapitel sind nur zwei Seiten lang und damit ideal fürs „Zwischendurchlesen“. Denn die Zielgruppe des Buches sind eben jene, die vor lauter Care-Arbeit nicht mehr dazu kommen, lange Bücher zu lesen. Trotz des verschlungenen Themendickichts ist das Buch ohne Fachjargon und sprachliche Umschweife geschrieben, sondern kommt einprägsam und verständlich auf den Punkt.

Wir können das Buch allen empfehlen, die sich für den Themenkomplex Care interessieren – UND denen, die bisher noch keinen Bezug zu Care hatten. UmCare hat genug Einstiegs- und Bezugspunkte, dass alle einen Zugang zu dem Buch finden sollten. Für jene, die sich schon mehr Wissen zu Care zumuten, hält das Buch neue Hintergründe und Details bereit. Trotz der kurzen Kapitel ist das Buch nicht hektisch, die Reihenfolge ist logisch, sodass man auch in einer längeren Leseeinheit nicht den Faden verliert.

Wir verlosen zwei Exemplare des Buches! Teilnahme per Mail an frauen@dbb.de mit dem Betreff "Gewinnspiel". Bitte geben Sie Ihre Adresse und Ihre dbb Mitgliedsgewerkschaft an, um an der Verlosung teilzunehmen. Einsendeschluss: 11. März 2024.

Zu den Autorinnen:

Ina Praetorius ist Theologin, Ethikerin, Autorin und Gründerin des Think-Tanks „Wirtschaft ist Care“. Uta Meier-Gräwe ist Professorin em. Für Wirtschaftslehre des Privathaushalts an der Universität Gießen und war Sachverständige für den ersten und zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung.

 

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