• Krieg, Klimakrise, Pandemie: Die Krisen der Gegenwart und was sie bei jungen Menschen auslösen, das stand auf dem Ideencampus der dbb jugend im Fokus.
    Krieg, Klimakrise, Pandemie: Die Krisen der Gegenwart und was sie bei jungen Menschen auslösen, das stand auf dem Ideencampus der dbb jugend im Fokus.

Generation Krise?

„Viele wertvolle Impulse“ – so war der Ideencampus 2023

Krieg, Klimawandel, Pandemie: Die Krisen der Gegenwart und was sie bei jungen Menschen auslösen, das stand auf dem Ideencampus der dbb jugend im Fokus.

Donnerstagmorgen, die Teilnehmenden sammeln sich im Foyer, spontane Gedanken zur Leitfrage des Tages: Ist die junge Generation im Krisenmodus?

Für Marc Wunder, aus dem Allgäu angereist, ist es der erste Ideencampus. „Aus meiner Sicht sind Inflation und finanzielle Unsicherheit zentrale Themen“, sagt er. Behnam Teimouri Hashtgerdi, Mitglied bei der Jungen Polizei, beklagt eine gewisse Überforderung: „Junge Menschen haben es heute schwieriger, den eigenen Weg zu finden.“ Und Sandy Decker, die sich bei der Fachgewerkschaft der Straßen- und Verkehrsbeschäftigten engagiert, bewegt die Frage, wie es insgesamt weitergehen soll: „Gefühlt lauert an jeder Ecke eine Krise, das macht mich ratlos. Ich hoffe, dass ich heute Antworten finde.“

Antworten zu finden, das ist es, was der dritte Ideencampus der dbb jugend am 19. Oktober 2023 zum Ziel hatte. Wie am besten mit den Krisen umgehen? Was sind Wege hinaus? Und ganz grundsätzlich: Wie tickt die Generation von heute? Über 100 junge Menschen waren aus ganz Deutschland nach Berlin gereist, um im dbb forum unter anderem über diese Fragen zu sprechen. Es gab Impulsvorträge, Workshops und eine abschließende Podiumsdiskussion. Der Tag im Überblick.

Niemanden im Regen stehen lassen

„You can stay under my umbrella“ – in seiner Begrüßungsrede nahm Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, Bezug auf den Welthit von Rihanna. „Der Song beschreibt sehr gut, wie sich junge Menschen fühlen“, sagte er und zählte einige Krisen der Gegenwart auf: geopolitische Spannungen. Klimawandel. Erodierender gesellschaftlicher Zusammenhalt. Finanzielle Sorgen. „Wir werden heute sicher nicht alle Krisen lösen und überall Rettungsschirme aufspannen können. Aber wir senden das starke Signal, dass niemand im Regen stehen bleiben muss. Wenn Stabilität irgendwoher kommen kann, dann von uns: von den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, die das Land jeden Tag am Laufen halten!“

Ulrich Silberbach, dbb-Bundesvorsitzender, betonte, dass die Bevölkerung gerade in unsicheren Zeiten einen funktionsfähigen öffentlichen Dienst erwartet, auf den sie sich verlassen kann. Zu wenig Personal für immer mehr Aufgaben, schleppende Digitalisierung – diese Herausforderungen gelte es zu lösen. „Aber es braucht auch positive Zukunftsbilder“, sagte Silberbach. „Was kann es eigentlich Schöneres geben, als für das Gemeinwohl in sinnstiftender Tätigkeit unterwegs zu sein? Lasst uns auch das in den Vordergrund stellen!“

Digitalisierung bringt Krisenresilienz

Johann Saathoff (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, sieht in der Krise angesichts der Weltlage das neue Normal. „Doch wir sind nicht nur Zeugen der Krise, wir sind auch Architekten der Lösungen und Gestalter einer resilienten Zukunft“, sagte der Politiker. Die „Generation Krise“ solle nicht Nabelschau betreiben, sondern sich als „Generation Lösung“ behaupten. Innovation vorantreiben, Dinge anders sehen, kreativ denken, offen sein für Veränderung – das seien die Schlüssel, um aus Krisen Chancen zu schaffen. Dafür bringe die junge Generation alle erforderlichen Fähigkeiten mit. Vor allem in Sachen Digitalisierung, bei der es keineswegs darum gehe, Personal einzusparen. „Vielmehr geht es darum, effizienter und agiler zu werden, bürgernäher zu sein“, erklärte Saathoff. Die Politik sei gut beraten, das Potenzial der Jugend abzuschöpfen. Denn Digitalisierung bringe Krisenresilienz. Das habe die Pandemie verdeutlicht.

Abschließend unterstrich der Staatssekretär: „Der öffentliche Dienst ist das Rückgrat der Gesellschaft. Die Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst sind der Außendienst der Demokratie. Wir brauchen junge Menschen, die sich für die Demokratie verantwortlich fühlen.“

„Never waste a good crisis“

Krisen als Chance zu begreifen, sich nicht zu sehr auf die Ängste und Gefahren zu fokussieren – dies ist auch eine Kernthese von Daniel Dettling, Politikwissenschaftler und Zukunftsforscher. „Krisen sind notwendige Störungen“, sagte er in seinem Impulsvortrag. Winston Churchill habe einmal gesagt: „Never waste a good crisis“ – „verschwende keine gute Krise“. Und laut Finanzminister Christian Lindner seien Krisen „dornige Chancen“. Kurzum: Krisen haben das Potenzial, Transformationen anzustoßen und Verbesserungen zu erreichen. Die Zukunftsforschung verstehe Zukunft als Raum der Möglichkeiten, der sich gestalten lässt, erklärte Dettling. „Eine bessere Zukunft ist immer möglich.“

Zentrale Zukunftsfragen analysiert der Wissenschaftler mit sogenannten Megatrends. Für den öffentlichen Dienst als Gestalter seien die „Fünf D“ in den nächsten Jahren von großer Bedeutung, sagte er. Sie lauten:

  • Demografischer Wandel
  • Dekarbonisierung
  • Digitalisierung
  • Diversität
  • Demokratie

Ein Fazit des Zukunftsforschers: „Wir brauchen eine andere Erzählung, was Krisen ausmachen und mit uns machen.“ Bezogen auf den demografischen Wandel, dem ersten D, bedeute das: nicht nur zu sehen, dass die Gesellschaft überaltert. Sondern auch, dass ältere Menschen immer fitter bleiben, älter werden und sich gesellschaftlich einbringen wollen. „Die Freiwilligendienste in Deutschland haben zwei Zielgruppen, die Jungen und die Alten“, berichtete Dettling. Darin stecke großes Potenzial.

Was junge Menschen bewegt

Wie die Jugend tickt, damit beschäftigt sich Kilian Hampel, Organisationsforscher und Co-Autor der Trendstudie „Jugend in Deutschland“. Seinen Impulsvortrag startete er mit einer Umfrage: „Was verbindet ihr mit eurer Jugend?“

Einige Antworten der Zuhörerinnen und Zuhörer im dbb forum: ICQ. Briefe schreiben. Loveparade. EU-Erweiterung. Nicht gleichzeitig telefonieren und das Internet nutzen können.

Was es mit der Umfrage auf sich hatte? „Wenn wir über die Generation Z sprechen, müssen wir wissen, was sie ausmacht“, erklärte Hampel. Nur so könne die Gesellschaft die Probleme junger Menschen lösen. Der Wissenschaftler, der an der Universität in Konstanz promoviert, präsentierte einige Ergebnisse aus der aktuellen Trendstudie, die 14- bis 29-Jährige betreffen:

  • Große Sorge bereiten den jungen Menschen die Inflation (63 Prozent), Krieg (59 Prozent) und der Klimawandel (52 Prozent).
  • Viele der Befragten gaben an, unter Stress (46 Prozent), Erschöpfung (35 Prozent) und Selbstzweifeln (33 Prozent) zu leiden. Diese Parameter haben im Vergleich zu vergangenen Studien zugenommen.
  • Folgende Faktoren motivieren junge Menschen im Berufsleben am meisten: Geld (44 Prozent), Spaß (43 Prozent) und das Erreichen eigener Ziele (32 Prozent). Am wichtigsten bei einem Arbeitgeber sind ihnen eine gute Arbeitsatmosphäre (91 Prozent), gute Führungskräfte (88 Prozent) und die Sicherheit des Arbeitsplatzes (87 Prozent).

Soziale Not verhindert Teilhabe

„Sag mal, hört ihr uns?“ – diese Frage stand bei der Podiumsdiskussion im Mittelpunkt. „Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien sind abgehängt“, betonte Anne Klotz, Sprecherin der Jugendorganisation des Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH). Wer sich mit existenziellen Fragen – etwa, ob ausreichend Essen im Kühlschrank ist –  beschäftigen muss, werde von der Politik nicht gehört. „Hier muss sich was ändern. Wir brauchen zwingend mehr Personal, um alle zu erreichen und den Betroffenen zu helfen.“

Nina Stahr, Bundestagsabgeordnete der Grünen, entgegnete, dass sich die Bundesregierung mit der Kindergrundsicherung auf den Weg gemacht habe, um die Situation zu verbessern. „Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass Kinderrechte endlich im Grundgesetz verankert werden.“ Aus Sicht von Katja Leikert, CDU-Obfrau im Familienausschuss des Bundestages, lasse sich die Situation nicht durch höhere Transferleistungen verbessern. Vielmehr komme es auf Infrastruktur an, die im Bedarfsfall eingreift und durch praktische Hilfe unterstützt.

Pflanzen statt kleben

„Aus Angst kann auch Motivation entstehen“, resümierte Sandra Heisig, stellvertretende Vorsitzende der dbb jugend, in ihrer Abschlussrede. Viele junge Menschen ließen sich nicht lähmen, ganz im Gegenteil: „Sie sind bereit, die Welt zu verändern und eine bessere Zukunft zu gestalten. Wir als Gesellschaft müssen unsere Denkweise ändern und uns auf nachhaltige Lösungen konzentrieren. Das geht nur gemeinsam!“

 „Lasst uns dabei unbequem, aber konstruktiv sein“, sagte Bundesjugendleiter Matthäus Fandrejewski. Sich auf die Straße zu kleben, das sei ausdrücklich der falsche Weg. Die dbb jugend pflanze lieber Bäume, wie beim vergangenen Bundesjugendausschuss im hessischen Baunatal geschehen, und setze damit ein nachhaltiges Zeichen für Klimaschutz. Weiterhin komme es darauf an, den Problemen junger Menschen Gehör zu verschaffen. „Wir haben heute viele wertvolle Impulse bekommen, die wir bei unseren Gesprächen mit Politikerinnen und Politkern einbringen werden.“

 

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