• Claus Weselsky

Weselsky: Ja zu fairem Wettbewerb

„Wir haben mit dem Wettbewerb überhaupt kein Problem, solange er fair vonstattengeht“, erklärt der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Claus Weselsky. Er reagiert auf eine aktuelle Eurobarometer-Umfrage, die am 24. September in Brüssel veröffentlicht wurde. „Deutschland ist bereits in Vorleistung gegangen. Wenn die Schiene noch nicht europaweit im Wettbewerb steht, dann liegt das nicht an uns“, so Weselsky, der aber auch betont: „Natürlich müssen sich die Wettbewerber an geltendes Tarifrecht halten. Der Wettbewerb darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.“ Weselsky sieht sich in der Forderung nach mehr Marktöffnung weitgehend einig mit dem EU-Verkehrskommissar Siim Kallas, warnt aber vor Lohn- und Sozialdumping.

„Deutschland hat seine Eisenbahnen bereits für den Wettbewerb geöffnet. Anders als viele unserer Nachbarn hinken wir da nicht hinterher.“ Insoweit müsse Deutschland sich nicht in erster Linie angesprochen fühlen. „Wir fordern ganz im Gegenteil, dass endlich auch diejenigen ihre Märkte öffnen, die bereits von der deutschen Liberalisierung profitieren.“ Insoweit stimme er auch mit EU-Verkehrskommissar Siim Kallas überein. Kallas hatte während seines Besuchs der Weltmesse für Schienenverkehrstechnik am 18. September in Berlin gesagt, immer noch behinderten abweichende Regeln und Standards den Schienenverkehr im europäischen Binnenmarkt. „Es stimmt, einige Staaten verschleppen die von der EU geforderten Reformen, betreiben hier Protektionismus“, sagt Weselsky.

Laut Eurobarometer-Umfrage befürworten Dreiviertel der Deutschen mehr Wettbewerb auf der Schiene. Allerdings dämpft Weselsky die Erwartungshaltung vieler Bahnfahrer. „Qualität hat ihren Preis. Man kann nicht erwarten, dass alles immer billiger wird und sich gleichzeitig über zu geringe Löhne hierzulande aufregen.“ Der Wettbewerb auf der Schiene dürfe nicht über die Löhne der Bahnmitarbeiter ausgetragen werden. „In Deutschland hat die GDL mit ihrem Flächentarifvertrag BuRa-LfTV schon für faire Löhne für fast alle Lokomotivführer gesorgt. Für alle in Deutschland tätigen Beschäftigten und auch für das jenseits deutscher Grenzen fahrende bei hiesigen Unternehmen beschäftigte Personal muss deutsches Tarifrecht gelten. Lohn- und Sozialdumping bei den Beschäftigten der Bahnen in Deutschland wäre auch nicht im Sinne der Fahrgäste, die Qualität und Zuverlässigkeit erwarten.“ Im Übrigen setze sich die GDL über ihre Dachorganisation, die Autonomen Lokomotivführer-Gewerkschaften Europas (ALE), und die CESI, in der die ALE Mitglied ist, für eine gute Lohnentwicklung im gesamten europäischen Eisenbahnmarkt ein, so der GDL-Bundesvorsitzende.

 

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