Vereinigung Cockpit (VC)

Sozialdumping durch illegales Wet-Leasing – Kontrollen gefordert

Die VC kritisiert die immer extensivere Nutzung von Wet-Leasing, also das Anmieten von Flug-zeugen inklusive Crews, im deutschen und europäischen Luftverkehrsmarkt.

In der Vergangenheit sei diese Möglichkeit zwischen Luftverkehrsunternehmen genutzt worden, um temporäre Überkapazitäten und zeitweisen Mehrbedarf auszugleichen. In der Regel werde die Nutzung von zusätzlichem Personal und Flugzeugen mittels Tarifverträgen zwischen Airlines und Gewerkschaften begleitet, um Sozialdumping oder das Ausnutzen der Möglichkeiten zum Wet-Leasing nach der entsprechenden EU-Verordnung zu verhindern.

Der Berufsverband der Pilotinnen und Piloten beobachtet jedoch seit geraumer Zeit die zunehmende Ausweitung von Wet-Leasing als dauerhaftes Mittel zur Kostensenkung und dem damit verbundenen Sozialdumping. Neuerdings operierten immer mehr auf dieses Geschäftsmodell spezialisierte Unternehmen mit teils undurchsichtigen Beschäftigungspraktiken auf dem Markt. VC Präsident Stefan Herth erklärt am 19. September 2022: „Das derzeit immer stärkere Aufkommen von Wet-Leasing ist nichts anderes als die nächste Form von Sozialdumping. Teils etablierte Airlines nutzen Subunternehmen, entziehen sich ihrer Verantwortung für umfassendes Personalmanagement und unterstützen damit sogar Konkurrenz zu Lasten unserer Volkswirtschaft – statt sich mit den Gewerkschaften auf zukunftsfähige individuelle Lösungen für saisonale Schwankungsabdeckungen zu verständigen. Dass einige der Wet-Lease-Anbieter Pilotinnen und Piloten in die Scheinselbstständigkeit drängen oder über ‚Agenturen‘ zweifelhafte Arbeitnehmerüberlassung praktizieren, wird sogar von etablierten Unternehmen billigend in Kauf genommen. Damit muss Schluss sein. Wir werden von nun an alles daransetzen, diese dubiosen Formen des Wet-Leasings trockenzulegen.“

Die Vereinigung Cockpit habe im vergangenen Jahr umfangreiche Daten über Beschäftigungsmodelle und Flugbewegungen gesammelt sowie ausgewertet und sei nun in der Lage, diese an die zuständigen Behörden zu übergeben. „Wie schon bei dem Kampf gegen die insbesondere über Irland praktizierte direkte Scheinselbstständigkeit im Luftverkehr sind nun die Behörden gefragt, mit breiten Kontrollen Scheinselbstständigkeit und illegale Arbeitnehmerüberlassung bei Subunternehmen und Wet-Leasing Anbietern zu kontrollieren und diesen fragwürdigen Machenschaften ein Ende zu setzen“, so Stefan Herth.

 

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