Jugendproteste Fandrejewski: Bildung und Soziale Arbeit sind der Schlüssel
Die Proteste der Gen Z sind Ausdruck einer fehlgeleiteten Politik, sagt der Chef der dbb jugend. Und das auf zahlreichen Ebenen.
Die Leistungen deutscher 15-Jähriger in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften sind so niedrig wie nie seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000. Das geht aus der im September veröffentlichten Studie hervor.
29 Prozent der jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren geben an, psychologische Unterstützung zu brauchen. 23 Prozent haben Schulden – beides sind Höchstwerte. Und 41 Prozent ziehen in Erwägung, das Land zu verlassen, weil sie woanders bessere Perspektiven sehen. Dies sind Ergebnisse der aktuellen Trendstudie Jugend in Deutschland.
„Die Fakten sprechen eine unmissverständliche Sprache: Die Jugend ist am Limit – und das nicht erst seit gestern“, sagte Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, am 3. November 2026 in Berlin. „Die Ergebnisse der Trendstudie sind keine Randnotizen, sondern ein Lagebericht über die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Ich kann verstehen, dass die Jugend – und das sage ich in aller Deutlichkeit – die Nase voll hat. Sie geht auf die Straße, weil ihr keine Zukunft geboten wird.“
Bildung ist Zukunftssicherung
Der öffentliche Dienst ist das entscheidende Werkzeug, um die Situation zu verbessern, allen voran der Bildungssektor und die Soziale Arbeit, betonte Fandrejewski. Die Politik müsse es nur wollen. „Wir brauchen keine Jugendkonferenzen für die Aktenmappe. Ganz entscheidend ist ausreichend und gut ausgebildetes Personal, das nahe an den jungen Leuten dran ist, ihre Probleme kennt und sie ernst nimmt. Allein an den Schulen fehlen etwa 120.000 Lehrkräfte. Wir brauchen Personal, Geld und politischen Willen – jetzt!“
Wahlalter 16 als Korrektiv
Kriege, Krisen und Klimawandel – die Liste der Probleme, die junge Menschen beschäftigen, ist lang. Vor allem für Auszubildende und Studierende ist auch die Wohnungsnot ein großes Thema. „Manche sagen, dass die Jugend zu laut ist. Ich sage: Die Politik ist zu leise, wenn es um die Zukunft der Jugend geht“, betonte Fandrejewski. „Wenn junge Menschen das Gefühl haben, dass nur über sie, aber nicht mit ihnen geredet wird, ist das ein Riesenproblem. Wer die Jugend erst ernst nimmt, wenn sie auf der Straße steht, hat Demokratie nicht verstanden.“
Die dbb jugend fordert schon lange, das Wahlalter ab 16 auf Bundesebene einzuführen. „Eine Demokratie, die junge Menschen erst ab 18 wählen lässt, hat ein Repräsentationsproblem. Das Wahlalter ab 16 wäre die längst überfällige Korrektur dieser Schieflage.“
Klare Abgrenzung von Gewalt
Demonstrieren und Missstände offen anprangern – das sei ein Zeichen dafür, dass junge Menschen die Demokratie ernst nehmen, unterstrich Fandrejewski. „Gewalt hingegen lehnen wir als Protestmittel unmissverständlich ab. Sie schadet den berechtigten Anliegen und kann nicht die Antwort sein. Aber Wegschauen seitens der Politik, wenn es um die Zukunft der Jugend geht, auch nicht.“



